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Heilmann

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Merk- und denkwürdige Impulse jeglicher Herkunft ohne Schere im Kopf

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Erziehungspsychologie. Begegnung Von Person Zu Person
Anne-Marie Tausch, Reinhard Tausch
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"Nach unserer Erfahrung reagieren die Eltern äußerst positiv, wenn das ungezügelte Verhalten des Kindes als »normaler« menschlicher Egoismus und ein ebenfalls »normales«, universelles Verlangen nach Bequemlichkeit, Genuß und Macht angesehen, statt auf Traumata oder eine Pathologie zurückgeführt wird. So gesehen ist das Kind weder verrückt noch schlecht, sondern lediglich voller Energie, überschäumend und von natürlicher Selbstbezogenheit. Elterliche Hilflosigkeit kann diese Tendenzen verstärken, und das Kind kann durch seine eigene übermäßige Macht allmählich korrumpiert werden. Die Herausforderung an die Eltern besteht dann darin, diese mögliche Korruption aufzuhalten. Eine solche Sichtweise rechtfertigt Schritte der Eltern, die im Rahmen eines psychopathologischen Verständnisses sogar skandalös erscheinen mögen. Eine kritische Frage an uns selbst ist nun allerdings, ob wir das Kind jetzt nicht auf eine neue Weise stigmatisieren, indem wir ein psychopathologisches Etikett (»krank«) gegen ein moralisches (»natürlicher Egoismus«) austauschen? Wir glauben, daß wir das nicht tun. Wir sprechen von einer universalen Tendenz, die das Kind vital und klug auslebt, nicht von einem Charakterfehler oder gar von psychischer Krankheit. Im Gegenteil, die Definition des Kindes als Kind, das »eine besondere Herausforderung« darstellt, bietet für beide Seiten eine anerkennenswerte Beziehungsdefinition an. Aus unserer Erfahrung können die Eltern negativen Tendenzen ihres Kindes um so besser Einhalt gebieten, je mehr sie die Kraft des Kindes und seine Schläue im Überlebenskampf zu schätzen wissen."
Autoritat Ohne Gewalt: Coaching Fur Eltern Von Kindern Mit Verhaltensproblemen. Elterliche Prasenz ALS Systemisches Konzept - Haim Omer

Kap. 8