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Merk- und denkwürdige Impulse jeglicher Herkunft ohne Schere im Kopf

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Erziehungspsychologie. Begegnung Von Person Zu Person
Anne-Marie Tausch, Reinhard Tausch
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"In der Erziehung kann prosoziales Verhalten wesentlich durch Wahrnehmungslernen gefördert werden, und zwar in folgender Weise: Erzieher und Lehrer verhalten sich gegenüber Kindern und Jugendlichen überwiegend prosozial. Leben sie die förderlichen zwischenmenschlichen Dimensionen und die Grundwerte menschlichen Zusammenlebens ihnen gegenüber, dann fördern sie erheblich das prosoziale Wahrnehmungslernen der Kinder. Erzieher und Lehrer behandeln also Kinder mit Achtung-Wärme-Anteilnahme. Sie bemühen sich, die innere Welt der Kinder zu verstehen und ihnen zuzuhören. Sie sind echt und fassadenfrei. Sie gewähren den Jugendlichen weitgehend Selbstbestimmung, engen sie nicht durch Dirigismus, Kontrolle und Lenkung ein. Sie fördern die psychische und körperliche Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen. So können Kinder und Jugendliche häufig prosoziales Verhalten ihrer Lehrer und Erzieher wahrnehmen und lernen. Zugleich erfahren sie unmittelbar die befriedigenden Auswirkungen eines solchen Verhaltens.

Erzieher und Lehrer behandeln dritte Personen häufig prosozial und werden dabei von den Kindern wahrgenommen. Kinder sehen etwa ihre Eltern oder Lehrer im häufigen Einsatz für andere benachteiligte beeinträchtigte Personen, für Hilfesuchende oder Kranke. Sie sehen sie bei der Tätigkeit f ü r andere Menschen, in der Ehe, in Gruppen, in Institutionen. Sie sehen sie bei der Hilfe für intellektuell, emotional oder sozial benachteiligte Kinder. Kinder nehmen dann Erwacbsene mit geringer Egozentrik, geringem Luxus, geringem Profitstreben sowie geringem Prestigeverhalten wahr. Bedeutsam sind auch die wahrnehmbaren Lebensziele der Erwachsenen: Bestehen diese in fast ausschließlicher egozentrischer Fürsorge für das eigene Wohlergehen oder bestehen diese in deutlichen prosozialen Tätigkeiten f ü r andere?

Erzieher bemühen sich, daß Kinder und Jugendliche häufig andere Personen mit prosozialem Verhalten wahrnehmen. Sie ermöglichen ihnen Kontakt mit derartigen Personen, sie ermöglichen ihnen den leichten Zugang zu entsprechenden Büchern, Filmen oder Fernsehsendungen.

Erzieher ermöglichen Jugendlichen häufig Situationen, in denen diese pro-soziales Verhalten leben können. Dies geschieht etwa durch die Ermöglichung häufiger Kleingruppenarbeit in und außerhalb der Schule, Ermöglichung der Tutortätigkeit älterer Schüler für jüngere oder für intellektuell benachteiligte Schüler.

Erzieher bemühen sich um die Bekanntmachung prosozialen Verhaltens. Denn oft ist prosoziales Verhalten von Menschen wenig auffällig. Meist wird darüber weit weniger berichtet als über unsoziales aggressives Verhalten. Von zehntausenden prosozialen Hilfeleistungen und Aktivitäten wird in Zeitungen und im Fernsehen weniger berichtet als über eine einzige Gewalttätigkeit."
Erziehungspsychologie. Begegnung Von Person Zu Person - Anne-Marie Tausch, Reinhard Tausch

Kap. 2; 7%